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Montag, 10.07.2006 - Publikumsgrabung Augst

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Heute fand der erste Tag der Publikumsgrabung in Augusta Raurica (Augst) des Jahres 2006 statt. Um 9.00 Uhr trafen wir uns beim Ausgrabungsgelände in unmittelbarer Nähe des Osttores, bzw. des römischen Haustierparks.

Insgesamt sind wir 12 Personen. Darunter befinden sich Kinder und Erwachsene. Unterstützt werden wir von 3 fachkundigen Angestellten der Römerstadt, inkl. dem Grabungsleiter Markus Schaub.

Der Tag begann mit einer Übersicht über die Colonia Paterna Pia Apollinaris Augusta Emerita Raurica. Erklärt wurden uns die Entwicklungsgeschichte, die baulichen Schwerpunkte und die geographische Einbettung im römischen Reich. Dazu hatten die Teilnehmer etliche Fragen. Z.B. wurde gefragt, wieso die Stadtmauer nie fertig gestellt wurde. Noch während des Baus wurde die Grenze des römischen Reiches massiv nach Norden verschoben, was die Gefahr eines äusseren Angriffs einschränkte.

Danach wurden wir in das Vorgehen bei einer Grabung eingeführt:

bulletZuerst werden einige Punkte im Grabungsgebiet genau vermessen
bulletAnschliessend wird das Grabungsgebiet in Grabungsfelder unterteilt (üblicherweise rechteckige Felder)
bulletBeim Graben wird innerhalb eines Grabungsfeldes immer eine Schicht komplett abgetragen, was folgende Zwecke erfüllt:
- Strukturen (z.B. Pfostenlöcher, Gruben) sind erkennbar
- die Funde können den einzelnen Fundschichten zugeordnet werden
- die Schichtprofile sind am Rand des Grabungsfeldes erkennbar
So wird Schicht für Schicht bis zum gewachsenen Boden (natürlichen Untergrund) abgetragen

Danach wurde uns gezeigt, wie wir graben sollen:

bulletdie Erde z.B. mit einem Pickel lockern
bulletdiese Erde wird langsam in ein Becken geschüttet, dabei werden die Funde entnommen
bulletspezielle Funde und Befunde werden zur Dokumentation im Boden, respektive der Schicht, belassen

Folgende Funde können unter anderem anfallen:

bulletKeramik (vielfach nur Scherben)
bulletMetall
bulletZiegel
bulletKnochen
bulletVersteinerungen (auch die Römer haben bereits solche gesammelt)
bulletMünzen (selten)
bulletGlas (selten)
bulletSchlacke

Jede Fundart wird in eine Plastiktüte gesteckt (mit Ausnahme der Ziegel, hier werden nur grössere Stücke oder gekennzeichnete/gestempelte aufgewahrt). Diese Tüten kommen in eine Kiste, welche mit dem Ausgrabungsjahr, dem Fundkomplex, der Ausgrabungsnummer und der Bezeichnung des Ausgrabungsfeldes gekennzeichnet ist.

GrabungsfeldWir wurden nun auf 3 Grabungsfelder aufgeteilt. Ich grub in einem Feld, in welchem noch knapp unterhalb der modernen Oberfläche gegraben wird. Einige Ziegel- und Steine befinden sich nahe beieinander, es könnten die Reste einer Mauer sein. Zur endgültigen Klärung muss jedoch noch mehr freigelegt werden. In diesem Feld wurde zudem eine gebrannte Tonplatte gefunden, welche vermutlich als Teil einer Fussbodenheizung, als Abdeckziegel (Suspensura) eines Hypokausts, diente.

Nach der Pause begaben wir uns zum Osttor, wo uns die interessante Baugeschichte Grabungsfelderklärt wurde. Imposant ist das Grabmal, welches sich vor der Stadtmauer befand. Es handelt sich um einen Rundbau, welcher von einer Stützmauer umgeben war. Dabei wurde sehr viel Material aufgeschüttet, um überhaupt die notwendige Fläche für das Grabmal zu erhalten. Es handelt sich um ein so genanntes Bustum Grab (Kremation direkt über dem Grab). Das Grabmal wurde anschliessend erstellt.

Danach gruben wir bis zum Mittag noch weiter. Nach dem Mittagessen wurden uns die römischen Dachziegel erklärt. Die Lücke zwischen den Leistenziegeln (Tegulae) wurde mit einem Hohlziegel (Imbrex) überdeckt. Folgende Merkmale an den Ziegeln sind interessant:

bulletMarkierung/Stempel des Herstellers (Private Ziegelei oder auch Legions Ziegelei)
bulletSpuren, welche beim Auslegen zum Trocknen entstanden (Tiere, Menschen)

Danach ging es weiter mit graben. Folgende Gegenstände habe ich heute gefunden:

bulletKeramik
bulletZiegel (ein Ziegel könnte auch von einem Hypokaust stammen)
bulletNägel
bulletSchlacke

In einem anderen Grabungsfeld wurde zudem ein Fingerring aus Bronze gefunden.

Um ca. 14.00 Uhr waren wir mit Graben fertig.

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