| Donnerstag, 15.07.2004, 4. Grabungstag |
Um 9.00 Uhr haben wir wieder mit Graben begonnen.
Es konnte wieder auf allen Grabungsfeldern gearbeitet werden. Ich habe weiterhin bei der verkohlten Schicht gegraben, wobei ich die bereits gestern begonnene Fläche von ca. 1 m2 um die verkohlte Schicht abzutragen begann.
Vor
dem Mittagessen haben wir das
Handels- und Gewerbehaus in der Schmidmatt aufgesucht. Es handelt sich
hierbei um eine Gastwirtschaft (Caupona) mit Geschäftsraum und eine Tuchwalkerei
(Fullonica). Von der Caupona sind ein Keller, der Schankraum, ein
hypokaustierter Raum, ein Korridor mit Sodbrunnen und ein weiterer Raum
erhalten. Dieses Gebäude wurde in mehreren Phasen umgebaut. Der Hypokaust ist
noch vollständig erhalten. Die Tuchwalkerei ist in einem hallenartigen Bau
untergebracht. Ein Becken ist noch im Original erhalten. Drei Bottiche aus Holz
wurden aufgrund der Funde rekonstruiert. Eine Räucherei - oder ein beheizter
Raum zum Trocknen der Tücher - ist ebenfalls vorhanden. Interessant ist die
Kombination: vermutlich wurde in der Walkerei das Urin von den Gästen der
Gastwirtschaft weiter verwendet. Das Haus brannte um die Mitte des 3.
Jahrhunderts n. Chr. nieder. Die Ursache ist nicht bekannt.
Am
Nachmittag haben wir weiter gegraben. Die verkohlte Schicht verläuft an einigen
Stellen einige Zentimeter höher. Die ganze Fläche konnte noch nicht freigelegt
werden. Somit konnte die Herkunft - Feuerstelle oder anderes - nicht weiter
geklärt werden.
In einem anderen Grabungsfeld wurde die Störung bei einer Mauer
entfernt. Darunter kam eine grosser
Stein mit diversen Versteinerungen zum Vorschein.
Um ca. 14.15 ging die Grabungswoche offiziell zu Ende. Danach haben wir uns zum Abschied noch etwas Kühles in einem Gartenrestaurant gegönnt.
Zum Schluss noch ein persönlicher Kommentar vom Autor: Üblicherweise suche ich konservierte Bauten auf, selten auch Notgrabungen. Die Arbeit zuvor - also das Freilegen - konnte ich bisher höchstens "von weitem" sehen. Mich hat unter anderem folgendes interessiert:
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Wie stellt man fest, in welche Zeit ein Befund gehört? | |
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Wie kann man die Strukturen, welche z.B. im Negativ vorhanden sind (z.B. Pfostenlöcher), erkennen? | |
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Wie erkennt man den Verwendungszweck eines Raumes? |
Tatsächlich habe ich im Verlauf der Woche Antworten gefunden: Ein Befund kann selten datiert werden (z.B. eine Mauer). Dies ist meist nur aufgrund der Funde in den einzelnen Schichten (darunter, daneben, darüber) möglich. Deshalb ist entscheidend, dass Fund- und Befundzusammenhänge genau beobachtet und dokumentiert werden (In welcher Schicht und in welchem Material befand sich der Fund? usw.). Eine relative Chronologie ist jedoch möglich (z.B. zeitlicher Ablauf der Bauphasen): eine Mauer wurde durchbrochen oder stösst an einer andere an, Mörtel unter Mauer, ... Die Frage zwei wird vor allem mit der Grabungstechnik beantworten. Wenn man Schichten abträgt, kann man am Boden oder auch im Profil Verfärbungen, also Änderungen des Schichtmaterials, erkennen. Die dritte Frage kann mit den gemachten Funden im Raum und/oder architektonische Hinweisen beantwortet werden.
Ich kann jedem, der sich für dieses Thema interessiert oder zumindest neugierig auf eine Grabung ist, die Teilnahme empfehlen. Details sind unter diesem Link zu sehen.
Zum Schluss danke ich dem Leitungsteam für die interessante Woche. Gefallen hat mir insbesondere, dass wir selbständig arbeiten konnten und trotzdem jederzeit jemand mit Rat und Tat zur Seite stand. Die Einschübe vermittelten uns zudem den notwendigen Hintergrund.