Montag, 12.07.2004,
1. Grabungstag

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Um 9.00 Uhr haben wir uns in der Nähe des Osttores getroffen. Nach einem kurzen Überblick über das Programm der nächsten 4 Tage wird uns die grobe geschichtliche Chronologie der Römerstadt geschildert (siehe Hintergrundinformationen).

Danach werden wir in die Grabungstechnik eingeführt. Dabei erfahren wird, dass die beste Methode zum Untersuchen eines archäologischen Feldes im Abtragen jeder einzelnen Schicht besteht. D.h. man trägt zuerst eine Schicht komplett ab und gräbt erst dann in der nächsten weiter. Nur dadurch kann der Fundzusammenhang optimal erkannt werden. Da jedes Grabungsfeld eine gewisse Grösse hat, lässt sich am Rand im Profil der Ablauf der Schichten erkennen. Die Fundstücke werden in Kisten gesammelt, welche mit dem Ausgrabungsjahr, dem Fundkomplex, der Ausgrabungsnummer und der Bezeichnung des Ausgrabungsfeldes gekennzeichnet sind.

AusgrabungNachdem wir in verschiedene Gruppen eingeteilt wurden, werden wir auf die Grabungsfelder verteilt. Es handelt sich dabei um Mauerstrukturen, welche sich unmittelbar nördlich der Strasse, welche durch das Osttor führte, befinden, dies innerhalb des Stadtgebietes. Hier wurde bereits mit der Grabung begonnen, die Schichten sind bei 3 Grabungsfeldern bis zu ca. einem halben Meter abgetragen. An einer anderen Stelle jedoch erst wenige Zentimeter. Unterstützt werden wir, inklusive dem Grabungsleiter, von 3 Personen.

Meine Gruppe soll die Schicht eines Kanals weiter abtragen. Dieser Kanal führte in einem Winkel von ca. 90 Grad von der Strasse weg. Dann durchstiess er eine Mauer, welche ungefähr parallel zur Strasse verlief und führte weiter nach Norden. Später wurde er wieder verfüllt. Der Kanal ist nur aufgrund der dunklen Verfärbung in den Schichten zu erkennen. Abzuklären ist nun der Zweck dieses Kanals. Als Abwasserkanal sollte er eigentlich zur Strasse neigen, er neigt jedoch nach Norden. Ich kann gleich vorwegnehmen, dass diese Frage heute erwartungsgemäss nicht beantwortet wurde.

Das Grabungsprogramm wird häufig durch Hintergrundinformationen aufgelockert. Wir suchen nun die Bauten beim Oststor auf. Der Grabungsleiter, Markus Schaub, hat hier selber Ausgrabungen durchgeführt und kann uns Informationen aus erster Hand geben. Er erklärt beispielsweise, dass für das Stadttor verschiedene Konstruktionen vorgesehen waren. Zuerst sollte eine grosse Toranlage erstellt werden, z.B. wie jene des Porta Praetoria in Aosta oder Aventicum. Dabei kann nicht definitiv gesagt werden, ob 3 (ein grosses Mitteltor) oder 4 Tore (2 grosse Mitteltore) geplant waren. Diese Toranlage wurde nie erstellt. Kurz danach wurde ein Ehrenbogen oder ein architektonisch betonter Stadtmauerabschluss geplant. Davon wurde jedoch lediglich ein Fundamentklotz auf beiden Seiten der Strasse neben den Tortürmen erstellt. Schlussendlich wurde ein offenes Stadttor gebaut. Die Mauerenden wurden verblendet. Beim Grabbau erfahren wir, welche immensen Mengen an Füllmaterial verwendet wurden, um die Fläche zwischen dem Rundbau und der rechteckigen Ummauerung aufzufüllen. Im Pavillon ist zudem eine zeichnerische Rekonstruktion der Skyline von Augusta Raurica angebracht, welche mit den heute sichtbaren Monumenten kombiniert werden kann.

Nachdem wir weiter gegraben haben, werden uns die römischen Dachziegel erklärt. Dabei kamen verschiedene Ziegel zur Anwendung: Das Dach wurde mit Leistenziegeln (tegulae) abgedeckt. Hierbei handelt es sich um flache Ziegel mit Leisten links und rechts. Die Leisten der zwei angrenzenden Ziegel wurden mit Halbrundziegeln (imbrices) abgedeckt. Da die Ziegel oft in viele Teile zerbrochen sind, werden nur die grösseren gesammelt. Bei allen Stücken ist jedoch auf folgendes zu achten: Kennzeichen der Ziegelei, Legionsstempel, Fussspuren, Abdrücke von Schuhen, Tierspuren und andere Markierungen.

NivelliergerätNach einer weiteren Grabungsphase lernen wir das Gerät zum Einmessen der Höhe (Nivelliergerät) kennen. Bei jeder Grabung werden zwei Punkte genau vermessen (Koordinaten und Höhe). Ausgehend von solchen Punkten kann mit dem Nivelliergerät die exakte Höhe von anderen Geländepunkten wie auch Fundschichten bestimmt werden.

Nachdem wir nochmals weiter gegraben haben, beenden wir die heutige Grabung um ca. 14.15 Uhr. Zum Schluss werden uns noch einige Funde gezeigt, welche in diesem Jahr im Grabungsgelände gemacht wurden: Ein As (Münze) des Augustus aus dem Jahr um 9 n. Chr. und Webgewichte. Ausserordentlich ist zudem der Fund eines kleinen Messers, welcher heute in einem Grabungsfeld gemacht wurde.

Hauptsächlich wurde heute (auch von mir) folgendes gefunden: Scherben (Keramik Fragmente), Ziegel, Knochen, Nägel, Schlacke und Versteinerungen (sogenannte Teufelsfinger, bzw. Belemniten). Schon die Römer haben also einiges gesammelt. Im Weiteren kam ein Fragment einer Amphore zum Vorschein.

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