Samstag, 17.04.2004 - Rapperswil/Jona, St. Gallen
Kempraten
Aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. ist für diese Siedlung der Name Centoprata überliefert. Die Vermutung, dass der römische Name "Centum Prata" (Hundert Wiesen) lautete, ist jedoch reine Spekulation. Es ist zurzeit keine schriftliche Nennung des Ortes aus der Römerzeit bekannt.
Vermutlich um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. entstand hier eine Siedlung. Bekannt sind Teile der Strasse Curia - Turicum - Vindonissa. Eine Abzweigung nach Vitudurum wird aufgrund eines Gräberfeldes vermutet, bisher gelang jedoch kein direkter Nachweis.
Die
Häuser aus Stein und Fachwerk waren entlang der Strassen angesiedelt.
Das Zentrum der Siedlung war offensichtlich öffentlichen
Bauten vorbehalten. Eine forumsartige
Umfassungsmauer eines
Hofes ist hier bekannt. Über diesen gelangte man durch einen imposanten Eingang
mit zwei Säulen in einen Raum. Hierbei könnte es sich um einen Tempel oder eine
Curia gehandelt haben. Dieser Komplex
wurde zwischen 70 und 150 n. Chr. erbaut.
Wichtigster Transportweg war jedoch der See. Der Standort des Hafens ist bei heute nicht bekannt.
Aufgrund der Funde ist eine Besiedlung bis ins 4. Jahrhundert nachweisbar. Eventuell war diese von der Römerzeit bis ins Mittelalter jedoch durchgehend.
Heute sind noch einige Bauten sichtbar: Teile einer Töpferei, Curia oder Tempel mit Teilen der Umfassungsmauer, Ecke eines Hauses.
Unter
der heutigen Kirche St. Martin wurden 1975 römische Mauerreste eines Gebäudes
gefunden.
Dieses stammt aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. Später wurde es mit Räumen im Osten erweitert. Im 3. Jahrhundert wurde der Boden in einigen Teilen (höherer Seespiegel?) angehoben.
Die genaue Funktion dieses Gebäudes ist nicht bekannt. Die Verlängerung der Strasse von Kempraten führt jedoch nach Busskirch. Vermutlich war die Verbindung zwischen dem Zürich und Obersee nicht immer schiffbar. Dann wären die Waren in Busskirch von den Schiffen entladen und in Kempraten wieder aufgeladen worden, bzw. umgekehrt. Eine Senke im Ufergelände südöstlich der Kirche wird als mögliche Anlegestelle gedeutet.
Kurzbeschreibung:
| Was | ja/nein | Bemerkung |
| Im Gelände Sichtbar | ja | Kempraten Meienbergstrasse: Umfassungsmauer + Curia/Tempel? Römerwiese: Töpferei Friedhof bei Kappelle St. Ursula: Hausecke Busskirch: Gebäudereste |
| Informationstafel | ja | Kempraten: Meienbergstrasse + Römerwiese Friedhof/Busskirch: keine Beschreibung |
| - mit Detailinformationen | ja | |
| - mit Skizze(n) | ja | |
| Beschilderung | nein | |
| Schutzbau | ja/nein | Meinenbergstrasse: Originalsubstanz ist
überdeckt, sichtbar sind nur Rekonstruktionen, deshalb kein Schutzbau Römerwiese: ja Friedhof: nein Busskirch: unterhalb der Kirche |
| Immer zugänglich | ja/nein | Kempraten: überall ja Busskirch: nur nach Vereinbarung in kleineren Gruppen (Auskünfte Katholische Kirchgemeinde Jona), vom Autor nicht aufgesucht |
| Temporär freigelegt / temporäre Ausstellung | nein | |
| Weiteres | Ausgrabung Meinebergstrasse/Busskirch: Beide Orte werden mindestens teilweise als Kinderspielplatz benutzt (direkt auf den Bauten), für eine vollständige Besichtigung sollten deshalb die Zeiten entsprechend gewählt werden |
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